Buchcover Vatermal von Necati Öziri

Ein Beitrag von Elisabeth Stein-Salomon

Necati Öziri erzählt in seinem 2023 für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman aus der Geschichte der Einwanderung aus der Türkei und über die Folgen für die nachfolgenden Generationen.

Zwei unterschiedliche Formen der Migration kommen in der Familie der Hauptfigur Arda zum Tragen. Die Mutter Ümran wächst nach einem verheerenden Erdbeben als „Kofferkind“ in der Türkei auf. Die Eltern hatten sich nach der Naturkatastrophe als Arbeitsmigrant*innen nach Deutschland verdingt und sie zurückgelassen. Als Jugendliche kommt Ümran nach Deutschland und verliebt sich in Metin, der als politisch Andersdenkender und Verfolgter die Türkei verlassen musste. Doch Metin ist so unglücklich in der Fremde, dass er nach vier Jahren die Familie mit den zwei kleinen in Deutschland geborenen Kindern Aylin und Arda verlässt und in die Türkei zurückkehrt. Er muss dort ins Gefängnis und gründet nach der Haft eine neue Familie.

Am Anfang des Romans liegt der Student Arda mit einer schweren Autoimmunerkrankung im Krankenhaus, die seinen Tod bedeuten kann. In seiner Erzählung wendet er sich an den unbekannten Vater, denn dieser soll wissen, wie es seiner ersten Familie in Deutschland ergangen ist.
Die verlassene Ümran versucht deutscher zu sein als die Deutschen, flüchtet sich aber immer mehr in Affären und den Alkohol. Die ältere Schwester Aylin hält es irgendwann zu Hause nicht mehr aus und landet bei einer deutschen Pflegefamilie. Arda hängt mit anderen Migrantenkids ab und hat einen Traum: Er will Literatur studieren. Denn er hat viel zu erzählen.

Necati Öziris Debütroman „Vatermal“ ist ein umwerfendes Buch, das mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat. Es ist trotz aller Tragik der Vorkommnisse mit so viel Herz und Humor geschrieben, mit wunderbare absurden Dialogen und Szenen – mal tief berührend und dann wieder sehr lustig.
Ein rasant geschriebener Roman, dem ich wünsche, dass er wie „Tschick“ zur Klassenlektüre wird.

 

Zitat "„Savas hat mir mal erklärt, dass, wenn Deutsche einen fragen, wo man herkommt, man einfach nur „Türkei“ antworten muss, aber wenn Türken einen fragen, muss man immer die Stadt des Vaters sagen, auch wenn man selbst noch nicht dort war.“ "

"Elisabeth Stein-Salomon ist Buchhändlerin und Inhaberin der Buchhandlung Knodt gegenüber dem Bürgerspital, die 2023 ihren 90. Geburtstag feierte und die sie in dritter Generation mit ihrem Team führt. Sie hat zahlreiche Literatur-Projekte initiiert wie z.B. „Würzburg liest ein Buch“ oder den ersten öffentlichen Bücherschrank in Würzburg in der Eichhornstraße. Sie veranstaltet regelmäßig Lesungen, gerne in Kooperation mit anderen Akteuren. 2016 erhielt sie für ihr Engagement zusammen mit ihrem Ehemann Wolfgang Salomon die Kulturmedaille der Stadt Würzburg. Foto von Elisabeth Stein-Salomon"

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