Buchcover von "Wachs" von Christine WunnickeEin Beitrag von Talia Klenk

Was mich an „Wachs” sofort gepackt hat: Das Buch spielt im Frankreich vor und während der Französischen Revolution, steigt direkt mit Spannung ein und erzählt eher beiläufig von zwei Frauen, die zueinander finden.

Marie Biheron findet es schon als Kind faszinierend, an Leichen zu arbeiten. Sie will wissen, wie alle Organe aussehen und wo sie liegen. Von Beginn an bekommt Marie vom patriarchalen System zu hören, dass sie das nicht darf. Marie macht dennoch weiter und fängt an, die Organe in Wachs nachzubilden und so haltbar zu machen, um sie besser studieren zu können.

„Was?” „Sie möchte eine Leiche kaufen”, erklärte der Musketier, der die Apotheke der Biherons kannte.

Madeleine Basseporte kann sehr detailreich zeichnen und malen. Am liebsten stellt sie die Natur dar. Aber das Patriarchat verdonnert sie dazu, Kindern das Malen beizubringen. Beide lernen sich kennen und lieben.

Durch ihre Arbeit lernt Marie Biheron auch Marie Antoinette kennen und verkauft ihr Ausstellungsstücke. Dadurch wird ihre Arbeit anerkannt und bekommt Zuspruch.

Das alles erzählt der Roman in Rückblenden. In der Gegenwart ist Marie sehr alt. Ihr altes Haus hat sie an eine Familie vermietet, sie selbst wohnt im Arbeitsschuppen zusammen mit ihrer Ausstattung. Das Kind der Familie macht die Besorgungen für sie und wird von ihr erst zurückgewiesen. Nach der ganzen Revolution wird Marie aber wieder lebendiger und lässt sich von dem Kind zeigen, was sich draußen alles verändert hat.

Für mich ist „Wachs” eine richtig gute Mischung aus sapphischer Liebe, historischen Details und einer Grundstory mit erfundenem Leben, und das Ganze erzählt Wunnicke auch noch sehr humorvoll. Sie erzählt so gut, dass alles genau so hätte stattfinden können.

Am 24. Oktober bekommt Christine Wunnicke den Georg-Büchner-Preis. Nach diesen 176 Seiten weiß ich, warum.

Christine Wunnicke: Wachs. Roman. Erscheint im Berenberg Verlag und bei der Büchergilde Gutenberg, Berlin 2025

Zitat aus "Wachs" von Christine Wunnicke: „Was?”
 „Sie möchte eine Leiche kaufen”, erklärte der Musketier, der die Apotheke der Biherons kannte.Ein Beitrag von Talia Klenk. Sie ist Slam-Poetin, Moderatorin und Autorin aus Würzburg und steht rund sechzig Tage im Jahr auf Bühnen im deutschsprachigen Raum. Sie hat RISE – Queere Bühne Würzburg sowie den Poetry Slam in Höchberg gegründet und hostet gemeinsam mit Judith Kestler den Writing Breakfast Club, ein offenes Format für alle, die gern in Gesellschaft schreiben. Ihr Theaterstück „Between the Walls” hat im Januar 2027 an der Studiobühne Würzburg Premiere Ihre Interessen sind queere Kultur, Bühnentexte und Schreiben als Gemeinschaftserlebnis.

 

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