Das zweite Netzwerktreffen der Würzburger Literaturszene am 1. Februar diente dem Austausch über Bedarfe, Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven. Der Einladung des Literaturhaus Würzburg e.V. und der Kollektiven Literaturzeitschrift Würzburg e.V. folgten 14 Initiativen sowie Interessierte und Engagierte.
Würzburg, 2. Februar 2026 – Wie viel ehrenamtliche Arbeit steckt in der Literaturszene – und wo fehlen Strukturen, Ressourcen und personelle Kapazitäten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Netzwerktreffens Literatur Würzburg, das vergangenen Sonntag zum zweiten Mal stattfand. Veranstaltet wurde das Treffen vom Literaturhaus Würzburg e.V. gemeinsam mit der Kollektiven Literaturzeitschrift Würzburg e.V., gefördert von der Stadt Würzburg.
Ziel des Netzwerktreffens war es, die vielfältige Arbeit der literarischen Initiativen in Würzburg sichtbar zu machen, auf die prekäre Situation nahezu vollständig ehrenamtlicher Strukturen hinzuweisen und gemeinsam herauszuarbeiten, wo Unterstützung benötigt wird. Gleichzeitig soll der Austausch dazu beitragen, Synergien zwischen den Akteurinnen und Akteuren zu erkennen und künftig enger zusammenzuarbeiten.
Im ersten Teil der Veranstaltung stellten sich 14 Initiativen, Vereine und Institutionen der Würzburger Literaturszene vor. Neben den beiden veranstaltenden Vereinen waren das der Autorenkreis Würzburg, Würzburg liest ein Buch, der Verlag Rotscheibe, der Förderverein der Stadtbücherei, die Universität Würzburg, der Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit der Regionalgruppe Unter- und Oberfranken, der Autorenverband Franken, das Kulturwerk Schlesien, das Hotel am Main, die Queere Lesebühne, der Poetry Slam Höchberg und der Poetry Slam Würzburg. Abgesehen von der städtischen Institution Stadtbücherei sind alle Literatur-Akteure in Würzburg ehrenamtlich im Einsatz und verzichten darauf, ihren aktiven Mitgliedern die Ehrenamtspauschale auszuzahlen, um alle Einnahmen und Fördergelder in neue literarische Aktivitäten zu reinvestieren. Hier herrscht ein enormer personeller Bedarf mit einem Gegenwert von mehreren Vollzeitstellen. Die Vertreter:innen benannten konkrete Bedarfe – von personeller Unterstützung über finanzielle Mittel bis hin zu organisatorischen Herausforderungen: ein Veranstaltungskalender, die Werbung für Veranstaltungen allgemein, die Kommunikation untereinander, Fördermittel und Fundraising wiederholten sich dabei. In Gesprächs- und Austauschformaten am Nachmittag wurden diese Themen gebündelt und mögliche gemeinsame Lösungsansätze entwickelt.
„Die Literaturszene in Würzburg lebt vom großen Engagement vieler Ehrenamtlicher. Netzwerktreffen wie dieses sind entscheidend, um Bedarfe sichtbar zu machen, Zusammenarbeit zu fördern und langfristige Perspektiven zu entwickeln“, betonte Kulturreferent Benedikt Stegmayer. Die Stadt Würzburg fördere diese Netzwerkarbeit ausdrücklich: Nach der ersten Förderung im Jahr 2024 wurde auch das zweite Treffen unterstützt, weitere Formate seien perspektivisch vorgesehen.
Auch das Literaturhaus Würzburg sieht in dem Austausch einen wichtigen Schritt für die Zukunft: „Wir erleben eine sehr engagierte, aber stark belastete Szene. Unser Ziel ist es, Räume für Austausch, Zusammenarbeit und Entlastung zu schaffen“, sagte Elena Riedel, Sprecherin des Literaturhaus Würzburg e.V.
Ab Sommer 2026 werde dem Literaturhaus erstmals ein eigener Raum zur Verfügung stehen: Die ehemalige Postfiliale in der Zellerau, die gemeinsam mit dem Quartiersmanagement und dem Familienstützpunk bezogen wird.
Die Stadt Würzburg ist hier der Vermieter, der Verein kann die Kosten für ungefähr ein Jahr durch die Unterstützung der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp aufbringen. Dieser Ort könne dann von allen Akteurinnen und Akteuren der Literaturszene für Treffen, kleine Lesungen oder Arbeitsformate genutzt werden. „Wir sehen hier die Chance, künftig Aufgaben zu bündeln und strategisch an der Sichtbarkeit und Relevanz der Literatur in Würzburg zu arbeiten – vorausgesetzt, es gelingt, personelle Kapazitäten aufzubauen.“
Das Netzwerktreffen versteht sich als offenes Forum für alle Menschen in der Region, die beruflich oder aus Leidenschaft mit Literatur verbunden sind, und als wichtiger Baustein für die nachhaltige Entwicklung der Würzburg Literaturlandschaft.



